So, ich habe mittlerweile festgestellt, dass ich den Blog viel mehr nutzen sollte, auch mit allgemeinem Zeug zu mir und womit ich mich so beschäftige. Das werde ich demnächst nachholen. Zunächst allerdings mal wieder zu einem Fotothema.
Das Wetter wird – auch wenn es heute mal wieder frisch war – doch allmählich besser. Es ist länger hell, sonnig und wird auch noch wärmer werden. Ideal für ein paar Shootings draußen. So denke ich auch und nehme das als Nächstes in Angriff. Allerdings gibt es eine Frage, die mich in letzter Zeit intensiv beschäftigt hat und die ich heute mal austesten konnte. Aber zuerst für euch die Hintergrundinfos:
Viele Leute, die sich mit der Personenfotografie im Freien auseinandersetzen, kommen schnell an den Punkt, an dem sie überlegen “hey, so ein Reflektor wäre sicher gut!”. Ein Reflektor? Ganz einfach. Eine reflektierende Fläche, die das Licht zurückstrahlt. Mit einem Reflektor kann man Stellen aufhellen oder aber dorthin Licht lenken, wo überhaupt keines hinfällt. Aber was soll man da nehmen?
Eine der günstigsten und naheliegensten Lösungen sind die Reflektoren von Walimex und Konsorten. Die meisten kennen sie auch als “Wabbelreflektoren”. Kreisrunde oder ovale Reflektoren, die mithilfe einer Kunststoffschiene gespannt sind und sich durch Verdrehen auf Pizzatellergröße zusammenfalten lassen. Sie lassen sich schnell auseinander falten, sind kompakt sowie leicht zu transportieren und sind alles andere als stabil zu halten… Das hat häufig zur Folge, dass die Reflektion nicht gradlinig an die Stelle kommt, wohin man den Reflektor ausgerichtet hat, sondern durch Verbiegen des Reflektors im Wind abgeleitet wird. Die Reflektoren gibt es mit silber und gold Beschichtung sowie mit 5in1 “Bezügen” wo auch Abschatter, Durchlichtstoff und weißer Reflektorstoff bei sind. Preislich liegt man bei einem ca. 1m großen kreisrunden Reflektor irgendwo um 20 EUR. Inklusive Stativ und Haltearm ist man dann irgendwo um 75 EUR. Also relativ günstig.
Diejenigen unter euch, die sagen “Qualität kostet auch was”, kommen sehr schnell zu sunbounce. Super Prinzip. Wir haben zwei Stangen, dazwischen einen Stoff, der, dank leicht elastischer Kanten und Querstangen zwischen den beiden tragenden Stangen, straff und somit “gerade” gehalten wird. Kombiniert mit einer recht guten Verarbeitung und Aluminiumrohren hat man bei sunbounce eine unheimlich leichte Kombination für die Größe und die Stabilität. sunbouncer gibt es ebenfalls in diversen größen von Mini Micro über Mini bis Pro und BIG. Das Besondere Gimmick hierbei ist wohl der “Zebra”-Stoff. Eine Mischung von Gold und Silber in ZickZack-Muster angeordnet, sorgt für einen leicht erwärmten Ton, der aber noch weitaus kühler ist, als ein reiner Goldreflektor. Der Haken an diesem “Traum”? Ihr ahnt es, der Preis! Für einen sunbounce Mini mit Zebra-Bespannung sind es mal eben 218 EUR, die man berappen muss! Will man noch eine Haltevorrichtung haben, kommen nochmal 70 EUR drauf (muahaha). Kleiner Tipp schon an dieser Stelle: Manfrotto Superclamps kosten “nur” 16 EUR
Alternativ gibt es in dieser Richtung nur lastolite, die leider Preislich nicht weit von sunbounce entfernt sind.
Kommen wir nun zu den günstigeren Alternativen. Ja, es geht noch günstiger, als Walimex! Variante 1 ist – viele denken überhaupt nicht dran – das gute alte Styropor! Kostenpunkt? 2,50 EUR für eine 50x120cm Platte im Baumarkt eures Vertrauens. An einem Stativ kann man das mit Hilfe einer Styroporgabel (ca. 15 EUR) und einem Schwanenhals (ca. 22 EUR) recht flexibel anbringen. Styropor ist leicht und kostet somit extrem wenig. Allerdings lässt es sich nicht so kompakt zusammenlegen und ist (meistens) nur in begrenzter Größe erhältlich. Reflektortechnisch ist es mit “nur weiß” natürlich auch nur begrenzt reflektierend, aber vllt. genügt es manchen ja, je nach Effekt, den man erzielen will. Aktionen, wie das Styropor mit einer der Silber- oder Goldseite einer Rettungs-Wärmedecke (ca. 2 EUR) zu beziehen, lasse ich mal außen vor, denn mir wäre das zu lästig, auch wenn es eine weitere kostengünstige Alternative wäre.
Variante 2: Kein Reflektor. Je nachdem, was für einen Effekt man erreichen will, braucht man keinen Reflektor. Natürlich wird somit auch kein Licht erzeugt, das schon wieder Studiocharakter hat.
Da ich ebenfalls vor der Frage stand: “was kaufe ich mir”, bzw. eher “kaufe ich mir einen sunbounce?!”, habe ich gerade eben einen kleinen Test mit den oben vorgestellten Lösungen gemacht.
Als Model stand mir die arme Calliope (Künstlername), von der ich nun die eher missratenen, aber zweckdienlichen Aufnahmen euch zeigen kann. Nur damit ihr sie in guter Erinnerung behaltet, sie kann auch so aussehen

So, kommen wir also nun zum “Experiment”. Erstes Hindernis: der Transport. In meinen Wagen passten Sunbounce und Styropor nur auf die Rückbank. Klar, wer fährt sonst schon einen Kleinwagen, ne?

Hier nun noch ein Vergleich der zusammengepackten und entfalteten Größe der drei Reflektoren.

Ok, also was wollen wir testen? Gewollt war von mir eine Gegenlichtsituation. Ich habe letztens bereits ein nahes Portrait in dem Stil gemacht und schon häufig einen coolen Effekt ohne Blitzeinsatz bei diversen Fotografen gesehen. Letztendlich sollte sich das als nicht so einfach herausstellen, also kommen wir zu den oben beschriebenen “missratenen” Aufnahmen. Da dank Wind und vergessenem Halter für den sunbounce war es nicht möglich 100% gleiche Aufnahmen zu machen. Sorry dafür…
Ich habe zwei Sets gemacht. Zum einen Oberkörperportraits und im Anschluss Kopfportraits. Alle Fotos sind so aus der Kamera entnommen und weder retuschiert, noch in Helligkeit oder anderweitig angepasst. Die Zusammenstellungen verlaufen gleich. Von links oben nach rechts unten: ohne Reflektor – Styropor – Walimex – sunbounce.


Ganz deutlich zu erkennen ist, dass speziell der Walimex und der sunbounce Reflektor mehr Licht zurückgeben, als das Styropor. Zudem geben sie aber auch gut die Farbtemperatur der Sonne wieder. Inwieweit das gewünscht ist, muss man abwägen. Beim sunbounce ist eine Anhebung der Farbtemperatur ja durch die Bespannung schon beabsichtigt.
Bei den Kopfportraits finde ich diese Farbtemperatur-reflektierende Eigenschaft eher störend. Hier punktet das Styropor mit einer neutralen und weichen Reflektion. Grund für den besseren Effekt ist wahrscheinlich, dass die Kamera bei den Oberkörperportraits mehr Licht gemessen hat, als bei den Kopfportraits, wo die Messung hauptsächlich im “dunklen Bereich” stattgefunden hat.
Da diese Gegenlichtsituationen aber nicht unbedingt immer das ist, was man machen will und wofür Reflektoren standardmäßig eingesetzt werden, habe ich mich auch nochmal brav in den Schatten gestellt und dort auf die Schnelle ein paar Aufnahmen mit mir vertrautem Licht gemacht. Hierbei gilt es bei neutralem, weichem, geringfügigem Licht, mehr Licht in das Gesicht des Models zu bekommen. Auch hier die gleiche Bildkonstellation wie oben: ohne Reflektor – Styropor – Walimex – sunbounce

Gerade bei diesem Bild gefiel mir der wärmende Effekt des sunbounce überhaupt nicht. Die Reflektion ist sauber, allerdings kämpfe ich hier ggf. wieder mit “Mischlichtern” durch das Licht aus dem Hintergrund. Das Bild mit dem silbernen Wabbelreflektor hat am meisten Biss und sagt mir am Meisten zu. Allerdings lässt sich auch ohne Reflektor sehr gut arbeiten, wie man hier sieht. Das Styropor scheint eher hier als Abschatter gedient zu haben. Vllt. lag es an einer reflektierenden Fläche auf der linken Seite, die doch noch mehr Licht gespendet hat. Das ist leider nie wirklich draußen auszuschließen.
Fazit? Für mich: Auch wenn der sunbounce eine überragende Stabilität und ein super Handling aufweist, so hat er mich von der Reflektionsleistung jedoch nicht in dem Maße beeindruckt, als dass ich bereitwillig den Mehrpreis zu einem regulären Reflektor zahlen wollen würde. Letztendlich ist und bleibt es wohl eine Frage des Einsatzes. Jemand, der die Reflektoren in Kombination miteinander, intensiv und bei widrigen/windigen Bedingungen einsetzt, wird deutlich mehr Wert auf die Stabilität des Reflektors legen.
Was alles so mit mehreren Sunbouncern und einem Team zum Halten möglich ist, könnt ihr unter anderem auf der sunbounce Seite und bei FPS im Blog sehen.
Übrigens, der sunbounce ist natürlich auch mit nur silberner Bespannung (anstatt des hochgelobten und hier getesteten “zebra”) erhältlich, allerdings macht dann ausschließlich die Stabilität einen Kostenunterscheid von rund 200 EUR, was mir doch nicht so ganz klar erscheinen will. Lastolite wird in näherer Zukunft von mir nochmal genauer in Augenschein genommen, da sie dreieckige Faltreflektoren im Angebot haben, die eventuell stabiler ausfallen. Zudem bieten sie ebenfalls farblich gemischte Reflektionsflächen an und das in Abstufungen, die mich vllt. etwas mehr ansprechen. Wir werden sehen.
Hier noch zwei fertige Ergebnisse. Ich persönlich würde mich schwer tun zu sagen, welches mit dem 20 EUR und welches mit dem > 200 EUR Reflektor gemacht wurde, auch wenn ich bereits das Feedback erhalten habe, dass die doch etwas intensivere Bräunung (selbst nach Abkühlung der Farbtemperatur) des sunbounce, besser ankommt. Neben der Hautretusche wurde hier die Farbtemperatur korrigiert. Bei dem einen Bild nach unten, bei dem anderen nach oben.
